Medizinisches Cannabis bei CFS: Wirkung, Chancen und Erfahrungen bei Chronischem Fatigue-Syndrom

Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) – auch als Myalgische Enzelphalomyelitis (ME/CFS) bekannt – ist eine schwerwiegende Erkrankung, die weltweit mehr als 40 Millionen und allein in Deutschland ca. 650.000 Menschen betrifft. Die Symptome sind extrem belastend und reichen von lähmender Erschöpfung über Muskelschmerzen bis hin zu massiven Schlafstörungen. Eine grundlegende Therapie existiert bislang noch nicht, weshalb Betroffene händeringend nach alternativen Behandlungsmethoden suchen.

In den letzten Jahren rückte Cannabis mehr und mehr in den medizinischen Fokus. Viele Patienten berichten, dass Cannabis bei CFS-Symptomen wie Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Angstzuständen helfen kann. Doch wie groß ist das Potenzial wirklich? Und was sagt die Forschung über den Einsatz von Cannabis gegen Fatigue?

Was ist CFS? Ein kurzer Überblick

Das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine komplexe Erkrankung, die für die Betroffenen sehr belastend ist. Körper und Geist werden massiv beeinträchtigt.

Typische Symptome sind:

  • Extreme, nicht durch Ausruhen besser werdende Erschöpfung
  • Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten („Brain Fog“)
  • Kreislaufprobleme und schnelle Reizüberlastung

Die genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute leider ungeklärt. Diskutiert werden Fehlfunktionen des Immunsystems, Entzündungsprozesse und postvirale Mechanismen – etwa nach Infektionen. Wahrscheinlich ist es letztlich eine Kombination aus genetischen, infektiösen und psychologischen Faktoren, die zum Ausbruch der Krankheit führt. Auffällig ist, dass Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

 

CFS und Post-Covid: Neue Aufmerksamkeit durch Long-Covid

Seit Beginn der Corona-Pandemie rückt auch das Thema Chronisches Fatigue-Syndrom stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Viele Menschen entwickelten nach einer Covid-19-Infektion langanhaltende Symptome wie extreme Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Muskelschmerzen – oft als Long Covid oder Post-Covid-Syndrom bezeichnet.

Die Beschwerden ähneln in vielen Punkten dem klassischen Krankheitsbild von ME/CFS. Mediziner gehen inzwischen davon aus, dass Long Covid in manchen Fällen sogar ein Auslöser oder Verstärker von CFS sein kann. In Deutschland waren vor der Covid-Pandemie ca. 200.000 Fälle von ME/CFS bekannt, im Jahr 2024 waren es bereits 650.000 Erkrankte. Auch wenn ME/CFS bereits vor Covid keine seltene Erkrankung und der Leidensdruck der Betroffenen enorm hoch war, steigt erst durch die postpandemische Entwicklung nun auch das wissenschaftliche Interesse an Behandlungsoptionen für ME/CFS.

Hier könnte medizinisches Cannabis eine wichtige Rolle spielen: Es wirkt regulierend auf das Immunsystem ein, kann den Schlaf verbessern und Schmerzen lindern – alles Wirkungen, die sich auf die Symptome sowohl von CFS als auch von Post-Covid positiv auswirken könnten. Erste Erfahrungberichte deuten ebenfalls darauf hin, dass Cannabis für CFS und Post-Covid-Betroffene hilfreich sein kann, doch belastbare Studien stehen noch aus.

 

Die wichtigsten Cannabinoide: THC und CBD

Cannabis enthält über 100 verschiedene Cannabinoide, von denen vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) im medizinischen Kontext relevant sind.

  • THC kann schmerzlindernd, entspannend und appetitanregend wirken. Es ist psychoaktiv, was für manche Patienten entlastend wirken, aber auch Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit verursachen kann.
  • CBD ist nicht psychoaktiv, kann entzündungshemmend, krampf- und angstlösend wirken.

Oft werden die verschiedenen Substanzen von medizinischem Cannabis kombiniert, da sie durch den sogenannten Entourage-Effekt zusammen besonders wirksam sein können.

Cannabinoide interagieren mit dem Endocannabinoid-System (ECS), das wichtige Prozesse wie Schmerzregulation, Schlaf, Stimmung und Immunantwort steuert. Dadurch liegt es nahe, dass es hilfreich für CFS-Erkrankte sein könnte.

 

Warum medizinisches Cannabis bei CFS-Symptomen helfen kann

Viele Symptome von CFS überschneiden sich mit Bereichen, in denen Cannabis bereits jetzt erfolgreich als Therapie eingesetzt werden kann:

  • Chronische Schmerzen: Cannabis kann in einigen Fällen in der Schmerztherapie erfolgreich genutzt werden u.a. bei Fibromyalgie oder Multipler Sklerose.
  • Schlafprobleme: THC und CBD können die Schlafqualität verbessern und die Einschlafdauer verkürzen.
  • Angst und Depressionen: CBD kann angstlösend, THC kann stimmungsaufhellend wirken.
  • Entzündungen: Cannabinoide regulieren das Immunsystem ohne es auszuschalten und können zudem entzündliche Prozesse hemmen.

Aufgrunddessen sehen viele Forschende und Betroffene in medizinischem Cannabis eine mögliche Therapieoption bei CFS.

 

Studien und Erfahrungen: Medizinisches Cannabis als Therapie bei Fatigue

Auch wenn das Chronische Fatigue-Syndrom nicht stark erforscht ist und es keine Studien zu Medizinischem Cannabis bei CFS gibt, so gibt es doch einige Studien zu Medizinischem Cannabis und den Symptomen, die typisch für diese Erkrankung sind.

  • Schlaf: Das Potenzial von medizinischem Cannabis zur Verbesserung der Schlafqualität ist bereits recht gut belegt. Konsumenten berichten von einer kürzeren Einschlafdauer und einer längeren Tiefschlafphase. Guter Schlaf ist ein Segen für Betroffene von CFS.
  • Schmerzen: Eine Studie der Auburn University aus 2019 belegt, dass medizinisches Cannabis eine schmerzlindernde Wirkung auf den Körper haben kann. Es liegt nahe, dass dieser Effekt eine enorme Entlastung für Patienten wäre, die an Muskelschmerzen durch CFS leiden.
  • Entzündungshemmung: Eine Studie des Institute of Plant Science hat sich damit beschäftigt, ob Cannabis eine entzündungshemmende Wirkung haben kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Cannabis vielversprechende antientzündliche Eigenschaften aufweist, die sowohl durch einzelne Cannabinoide als auch durch komplexe Extrakte erzielt werden können.
  • Depressionen: Erste Studien deuten darauf hin, dass durch Cannabis ein positiver Effekt bei Patienten mit Depressionen erzielt werden kann. Hier sind aber viele weitere Punkte wie Dosierung des Cannabis, genetische Faktoren, Lebensumstände der Betroffenen oder die Regelmäßigkeit des Cannabiskonsums relevant für die Wirkung.

Abgesehen von den raren wissenschaftlichen Studien, sind es vor allem die Erfahrungsberichte von Patienten, die das Potenzial von Cannabis bei CFS erahnen lassen. Da Cannabis zur Schmerzlinderung beitragen und die Schlafqualität verbessern kann, kann es Betroffenen von CFS schon dadurch ein enormes Stück Lebensqualität wieder geben und die massive Belastung durch die Erkrankung reduzieren.

Einnahmeformen von Cannabis bei CFS

Medizinisches Cannabis kann in unterschiedlichen Formen angewendet werden:

  • Cannabisblüten (Inhalation/Vaporizer)
    • Schneller Wirkungseintritt
    • Individuell dosierbar
  • Cannabisextrakt oder Kapseln
    • Langsamer, gleichmäßiger Wirkungseintritt
    • Längere Wirkdauer bis zu 8 Stunden
    • Oft CBD und THC in Kombination
  • Synthetische Cannabinoide (Dronabinol, Nabilon)
    • Standardisierte Dosierung
    • Werden von einigen Ärzten verschrieben

Viele CFS-Patient*innen greifen bevorzugt auf Cannabisextrakt (Öl) zurück, da es diskret, gut verträglich und einfach zu dosieren ist.

 

Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis bei CFS

So vielversprechend die Wirkung von Cannabis auch ist – es gibt mögliche Nebenwirkungen, vor allem bei THC. Einige Patienten berichten von Mundtrockenheit, leichtem Schwindel, Herzrasen oder kurzfristigen Gedächtnisproblemen.

CBD hingegen gilt als äußerst verträglich und verursacht nur selten Nebenwirkungen. Wichtig ist aber in jedem Fall eine ärztliche Begleitung, um die richtige Sorte, Dosierung und Kombination zu finden. Nur wenn alle Faktoren passen, kann medizinisches Cannabis wirksam bei CFS eingesetzt werden. Von Eigentherapie raten wir ab.

 

Rechtliche Lage in Deutschland

Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland verschreibungsfähig. Ärzte und Ärztinnen können es verordnen, wenn eine schwerwiegende Erkrankung besteht, andere Therapien nicht ausreichend wirken und durch den Einsatz des Cannabis eine realistische Aussicht auf Linderung besteht.

Bei CFS handelt es sich um eine schwer behandelbare Erkrankung, weshalb ein Antrag auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen grundsätzlich möglich ist. Allerdings entscheiden Kassen häufig im Einzelfall, da Cannabis bei CFS noch nicht in den Leitlinien verankert ist.

 

Medizinisches Cannabis als Teil einer Kombinationstherapie

Wichtig: Cannabis ist kein Wundermittel und kann CFS nicht heilen. Es kann jedoch als Baustein einer multimodalen Therapie sinnvoll sein. Weitere ergänzende Maßnahmen gegen CFS können sein:

  • Pacing (energieschonendes Leben)
  • Sanfte Physiotherapie (angepasst an die Belastungsgrenze)
  • Psychologische Unterstützung
  • Ausgewogene Ernährung, gesunder Lebensstil

Die besten Ergebnisse erzielen betroffene Patienten mit medizinischem Cannabis, wenn es gezielt zur Symptomlinderung eingesetzt wird und in ein ganzheitliches Behandlungskonzept integriert wird.

 

Ausblick: Cannabis und CFS-Forschung

Durch das wachsende Interesse an Long Covid, dessen Symptome denen von CFS sehr ähnlich sind, rückt die Erkrankung endlich mehr in den Fokus der Wissenschaft. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren mehr klinische Studien zu CFS und somit wahrscheinlich auch zu Cannabis und CFS durchgeführt werden.

Damit könnten Ärzte künftig fundierte Empfehlungen geben, anstatt nur auf Erfahrungsberichte zurückzugreifen.

 

Fazit: Cannabis und CFS – Eine Chance für mehr Lebensqualität

Das Chronische Fatigue-Syndrom ist für Betroffene eine enorme Belastung und mindert die Lebensqualität signifikant! Klassische Therapien greifen oft zu kurz, sind nicht wirksam oder nur in Begleitung starker Nebenwirkungen, weshalb medizinisches Cannabis als Therapie eine wertvolle Ergänzung darstellen kann.

Ob Cannabisöl bei CFS, Blüten oder synthetische Cannabinoide – viele Patienten berichten von weniger Schmerzen, besserem Schlaf und mehr Lebensqualität durch medizinisches Cannabis.

Auch wenn die Forschung noch am Anfang steht, zeigt sich basierend auf Erfahrungsberichten, dass der Einsatz von medizinischem Cannabis bei CFS viel Potenzial bietet. Wichtig ist, die Therapie immer in ärztlicher Begleitung durchzuführen und Cannabis als Teil einer ganzheitlichen Behandlungsstrategie zu sehen.

 

FAQ

Hilft Medizinisches Cannabis bei CFS wirklich?

Viele Patienten berichten, dass Cannabis Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen oder Ängste lindern kann. Wissenschaftliche Studien speziell zu CFS sind noch selten, doch Erfahrungen und Forschung an ähnlichen Erkrankungen zeigen ein großes Potenzial.

Welche Form von Medizinischem Cannabis ist bei CFS am besten geeignet? 

Das hängt von den Symptomen ab. Manche Patienten profitieren von Cannabisöl (CBD- oder THC-haltig), andere nutzen Cannabisblüten im Vaporizer oder Dronabinol. Welche Form sinnvoll ist, sollte immer mit einem Arzt oder einer Ärztin abgestimmt werden.

Ist Cannabis in Deutschland für Schwerkranke legal?

Ja, seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland verschreibungsfähig. Ärzte und Ärztinnen dürfen es bei schweren Erkrankungen verordnen, wenn andere Therapien nicht ausreichend helfen.

Gibt es Nebenwirkungen von Medizinischem Cannabis bei CFS?

Ja, insbesondere THC kann Nebenwirkungen wie Schwindel, Mundtrockenheit oder Konzentrationsprobleme verursachen. CBD hingegen gilt als sehr gut verträglich. Mit ärztlicher Begleitung lassen sich Dosierung und Sorte individuell anpassen.

Übernimmt die Krankenkasse Medizinisches Cannabis bei CFS?

Eine Kostenübernahme ist in Deutschland möglich, wird jedoch individuell geprüft. Da Cannabis bei CFS noch nicht in den Leitlinien verankert ist, hängt die Entscheidung von der Begründung des Arztes/ der Ärztin und der Krankenkasse ab.

Ist Cannabis ein Heilmittel gegen CFS?

Nein! Cannabis kann Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern, heilt aber die Erkrankung nicht. Am wirksamsten ist Cannabis, wenn es in eine ganzheitliche Behandlung mit anderen Methoden integriert wird (z.B. Pacing, Physiotherapie, Ernährung).

Weiterführende Informationen und Quellen:

https://www.mecfs.de/daten-fakten/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30585986/

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1087079207001670

https://www.hanf-magazin.com/medizin/hanfmedizin-bei-erkrankungen/cannabis-und-chronisches-muedigkeitssyndrom/

https://www.srf.ch/wissen/wissens-chats/chronic-fatigue-wie-werde-ich-meine-muedigkeit-los

Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung; auch stellt er weder eine Empfehlung zum Konsum dar, noch ist mit ihm ein Versprechen einer bestimmten Wirkweise oder Heilungsform verbunden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts wird keine Haftung übernommen.