Cannabis bei schweren Krankheiten – Hoffnung, linderung und Lebensqualität

Cannabis ist längst mehr als ein reines Lifestyle-Produkt. In den letzten Jahren rückt die medizinische Nutzung der Pflanze wieder mehr in den Fokus – insbesondere dann, wenn es um schwere oder sogar tödlich verlaufende Krankheiten geht. Während in der Vergangenheit häufig Vorurteile und rechtliche Hürden im Vordergrund standen, zeigt sich heute ein deutlich differenzierteres Bild: Cannabis kann schwere Krankheiten nicht heilen, aber das Leben von betroffenen Patienten in vielen Fällen maßgeblich erleichtern. 

Warum Cannabis bei schweren Krankheiten wichtig ist

Viele Erkrankungen, die als unheilbar oder lebensbedrohlich gelten, bringen starke Schmerzen, chronische Symptome und eine drastische Einschränkung der Lebensqualität mit sich. Auch die Behandlungen sind meist geprägt von Nebenwirkungen und Herausforderungen.

Die moderne Medizin kann zwar viele dieser Symptome lindern, aber oft nur in Begleitung von weiteren, starken Nebenwirkungen. Gerade in der Palliativmedizin stoßen klassische Medikamente häufig an ihre Grenzen. Hier kann Cannabis eine alternative oder ergänzende Option darstellen. Dies gilt vor allem bei diesen Krankheitsbildern:

  • Krebs (insbesondere in fortgeschrittenen Stadien)
  • ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Morbus Crohn und andere schwere Autoimmunerkrankungen
  • HIV/AIDS
  • Chronische Schmerzen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen.

Medizinisches Cannabis kann Betroffenen helfen, den Alltag und auch die Behandlung leichter durchzustehen und Kräfte zu sammeln für den eigentlichen Heilungsprozess.

 

Die wichtigsten Cannabinoide: THC und CBD

Cannabis enthält über 100 verschiedene Cannabinoide, von denen vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) im medizinischen Kontext relevant sind.

  • THC kann schmerzlindernd, entspannend und appetitanregend wirken. Es ist psychoaktiv, was für manche Patient*innen entlastend wirkt, aber auch Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit verursachen kann.
  • CBD ist nicht psychoaktiv, kann entzündungshemmend, krampf- und angstlösend wirken.

Oft werden mehrere Wirkstoffe von medizinischem Cannabis kombiniert, da sie im sogenannten Entourage-Effekt zusammen besonders wirksam sein können.

 

Rechtliche Situation in Deutschland

Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland verschreibungsfähig. Ärzte und Ärztinnen können es verordnen, wenn andere Therapien nicht ausreichend helfen oder die Nebenwirkungen zu belastend sind. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen muss jedoch beantragt werden und wird nicht in allen Fällen genehmigt.

 

Medizinisches Cannabis bei Krebs

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock für die Betroffenen und auch wenn er noch behandelbar ist, stellt meist auch die Behandlung an sich eine große Herausforderung für die Patienten dar. Während einer Chemotherapie können zahlreiche, teils massiv belastende Symptome auftreten. Einige könnten sich tatsächlich durch medizinisches Cannabis lindern.

Schmerzlinderung

Krebspatienten leiden häufig unter chronischen, schwer behandelbaren Schmerzen. Cannabis bietet eine Ergänzung zu klassischen Schmerzmitteln. Oft gehen klassische Schmerzmittel mit anderen Nebenwirkungen wie Nierenbelastung und Magenproblemen einher. Dies kann durch den Einsatz von medizinischem Cannabis verringert werden.

Appetitsteigerung und Übelkeitskontrolle

Chemotherapien und Tumorerkrankungen führen oft zu Appetitlosigkeit und damit verbundenem starken Gewichtsverlust. Dies führt zu Kraftlosigkeit und Schwächegefühl. THC-haltige Cannabispräparate können den Appetit von Betroffenen wieder anregen und zudem belastende Übelkeit reduzieren.

Psychische Unterstützung

Angst, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen sind häufige Begleiter einer Krebserkrankung. Viele Patienten berichten, dass medizinisches Cannabis ihnen hilft, innere Ruhe und besseren Schlaf zu finden. Die Psyche ist während einer Krebsbehandlung oft ein massiv unterschätzter Faktor und hat Einfluss darauf, wie gut man eine Behandlung verkraftet, wie man sie bewältigt und wie man lebt, während man sie durchläuft.

Eine 2018 in Israel veröffentlichte Studie belegte ebenfalls, dass der Einsatz von medizinischem Cannabis als effektiv und sicher eingestuft werden kann, um den Zustand von Krebspatienten in einem weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadium zu verbessern. Hier wurden vor allem die Verbesserung der Schlafqualität, die Minderung von Übelkeit aber auch die Reduzierung starker Opiate als Vorteile beim Einsatz von medizinischem Cannabis festgestellt.

 

Cannabis bei ALS und Multipler Sklerose

Sowohl bei ALS auch bei Multipler Sklerose leiden die betroffenen Patienten vor allem aufgrund der krankheitsbedingten Muskelverspannungen, Muskelkrämpfe und Spastiken. Es erschöpft die Patienten und führt zu (chronischen) Schmerzen. Medizinisches Cannabis könnte hier bereits als unterstützende Therapieform eingesetzt werden.

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)

ALS ist unheilbar und führt zu fortschreitender Lähmung. Erste Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis Muskelkrämpfe, Spastiken und Schmerzen deutlich lindern kann und einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität betroffener Patienten liefern könnte.

Multiple Sklerose

Auch MS-Patienten könnten von Cannabis profitieren. Besonders wirksam ist es bei Spastiken, Nervenschmerzen und Schlafproblemen. Hier ist medizinisches Cannabis mittlerweile in vielen Ländern offiziell als Medikament anerkannt. Studien belegen, dass medizinisches Cannabis bei über 50% der Patienten mit Spastik- und Schmerzsymtpomen durch MS einen positiven Effekt auf diese hat.

Auch hier gilt wieder, medizinisches Cannabis kann diese Krankheiten nicht heilen, aber den Betroffenen Linderung verschaffen und die Situation erträglicher gestalten.

 

Cannabis bei HIV/AIDS

Viele HIV-Patienten leiden unter dem „Wasting-Syndrom“ (extremer Gewichtsverlust), Appetitlosigkeit und chronischen Schmerzen. Medizinisches Cannabis wird bis heute eingesetzt, um potentiell diese Symptome zu lindern und die Nebenwirkungen der Therapie abzumildern.

 

Cannabis in der Palliativmedizin

Die Palliativmedizin beschreibt die ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden Krankheit und einer begrenzten Lebensdauer. Hier steht in der Behandlung nicht Heilung, sondern Lebensqualität im Vordergrund. Medizinisches Cannabis kann dabei eine entscheidende Rolle spielen, indem es:

  • Angstzustände reduzieren kann
  • Schlaf verbessern kann
  • Schmerzen lindern kann
  • Innere Ruhe fördern kann

Gerade während des letzten Lebensabschnitts berichten viele Patienten davon, dass medizinisches Cannabis ihnen hilft, bewusster und würdevoller mit der verbleibenden Zeit umzugehen.

Ausblick: Cannabis als Teil moderner Medizin

Die Forschung zu medizinischem Cannabis entwickelt sich rasant. Besonders die Kombination aus Schmerzlinderung, Appetitsteigerung und psychischer Entlastung macht die potentielle Wirkung der Pflanze einzigartig. Künftig könnten standardisierte Präparate, genauere Dosierungen und neue Studien dazu beitragen, dass Cannabis noch gezielter bei schweren Krankheiten eingesetzt wird und den Betroffenen so zu mehr Lebensqualität verhilft.

 

Fazit: Cannabis bei schweren Krankheiten

Medizinisches Cannabis ist kein Wundermittel, aber ein wertvolles Medikament für Menschen mit schweren oder sogar unheilbaren Krankheiten. Es kann dabei unterstützen Schmerzen zu lindern, den Appetit zu steigern, die Psyche zu beruhigen und die Lebensqualität zu verbessern – besonders bei Patienten in der Palliativmedizin.

Für Patienten und Angehörige ist medizinisches Cannabis deshalb weit mehr als nur ein Trend: Es ist eine ernstzunehmende Option, die Hoffnung und Würde in einer der schwierigsten Lebensphasen schenken kann.

 

FAQ

Hilft Cannabis bei Krebs?

Medizinisches Cannabis kann Krebs nicht heilen, aber Symptome wie Schmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit lindern. Viele Patienten nutzen Cannabis begleitend zur Krebstherapie.

Welche Krankheiten werden mit medizinischem Cannabis behandelt?

Medizinisches Cannabis wird u.a. bei Krebs, ALS, Multipler Sklerose, HIV/AIDS, chronischen Schmerzen, Epilepse und in der Palliativmedizin eingesetzt.

Ist Cannabis in Deutschland für Schwerkranke legal?

Ja, seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland verschreibungsfähig. Ärzte und Ärztinnen dürfen es bei schweren Erkrankungen verordnen, wenn andere Therapien nicht ausreichend helfen.

Welche Vorteile hat Cannabis in der Palliativmedizin?

Cannabis kann Schmerzen lindern, Angstzustände reduzieren, Schlaf fördern und die Lebensqualität steigern. Besonders am Lebensende kann es Betroffenen Ruhe und Würde schenken.

Weiterführende Informationen und Quellen:

https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/indikationeb-cannabis-medizin-2032610

https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/aktuelles/cannabis-in-der-schmerzbehandlung

https://www.geo.de/wissen/gesundheit/cannabis-als-medizin--wann-hanf-hilft--32870486.html

https://rp-online.de/leben/gesundheit/medizin/welche-krankheiten-lindert-cannabis_aid-19160923

https://bedrocan.com/de/medizinische-fachkreise/anwendungen/

https://www.thieme.de/de/heilpraxis/cannabis-bei-krebs-mehr-chancen-als-risiken-140218.htm

https://www.dmsg.de/news/detailansicht/cannabishaltige-medikamente-in-der-therapie-der-multiple-sklerose

https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/01_Medizinische_und_therapeutische_Fragen/MS-Info_Cannabis-Therapie_bei_MS.pdf

https://www.aerzteblatt.de/archiv/cannabisbehandlung-bei-multipler-sklerose-c92998d8-c1c0-41ca-87a8-6b177a23a412

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