Antibiotika und Cannabis: Ein kleiner Überblick
Wer hat es nicht bereits erlebt – man hat sich eine hartnäckige Infektion eingefangen und bekommt dagegen ein Antibiotikum verschrieben. In der Medizin gelten Antibiotika als Superhelden im Kampf gegen viele bakterielle Erkrankungen und werden häufig verschrieben. Parallel dazu hat sich die Nachfrage von medizinischem Cannabis, insbesondere bei chronischen Schmerzen aber auch anderen Erkrankungen, stark erhöht. Doch was passiert, wenn diese beiden therapeutischen Mittel aufeinander treffen und kombiniert werden?
Dieser Artikel beleuchtet, was bereits über mögliche positive wie negative Wechselwirkungen dieser beiden Mittel bekannt ist, was man bei der kombinierten Einnahme beachten muss und welche ersten Erkenntnisse es zu CBD als möglichen Retter im Kampf gegen antibiotikaresistente Keime gibt.
Wie funktionieren Antibiotika?
Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente. Sie werden gezielt eingesetzt, um bakterielle Infektionen zu behandeln, indem sie die Bakterien direkt abtöten oder zumindest deren Vermehrung hemmen.
Das erste Antibiotikum, Penicillin, wurde 1928 als wirksames Mittel im Kampf gegen bakterielle Erkrankungen entdeckt. Seitdem gilt die Einführung von Antibiotika als einer der wichtigsten Fortschritte der modernen Medizin.
Die Herausforderung beim Einsatz von Antibiotika besteht vor allem darin, dass neben den schädlichen Bakterien, so wenig nützliche Bakterien wie möglich in unserem Körper abgetötet werden. Vor allem die Darmflora ist oft nach einer Antibiotikatherapie angegriffen und muss durch gezielte probiotische Bakterien unterstützt und anschließend wieder aufgebaut werden.
Das Wirkungsspektrum der Cannabinoide
THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) sind die bekanntesten der über 100 verschiedenen Inhaltsstoffe, die im medizinischen Cannabis enthalten sind. Diese beiden Cannabinoide wirken direkt auf das körpereigene Endocannabinoid-System (ECS) ein, welches an der Regulierung vieler wichtiger Körperfunktionen, wie Schmerzwahrnehmung, Schlaf, psychischem Wohlbefinden und der Immunabwehr beteiligt ist.
Eine Studie des Institute of Plant Science hat sich damit beschäftigt, ob Cannabis eine entzündungshemmende Wirkung haben kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Cannabis vielversprechende antientzündliche Eigenschaften aufweist, die sowohl durch einzelne Cannabinoide als auch durch komplexe Extrakte erzielt werden können.
Vor allem das nicht psychoaktiv wirkende CBD steht im Fokus vieler aktuell laufender Untersuchungen hinsichtlich der Kombination mit Antibiotika.
Zwischen Risiko und Chance – medizinisches Cannabis und Antibiotika
Jeder weiß, dass man keinen Alkohol konsumieren sollte, wenn man gerade eine Infektion mit Antibiotika behandelt. Wie sich das aber bei medizinischem Cannabis und Antibiotika verhält, ist bislang nicht erforscht. Hier kann man lediglich auf Basis von Erfahrungen und anderen bereits bewiesenen Theorien Rückschlüsse auf die Wechselwirkungen der beiden Medikamente ziehen.
Wie beeinflusst medizinisches Cannabis die Wirkung von Antibiotika?
Medizinisches Cannabis wirkt auf unseren Körper ein, indem es mit dem körpereigenen ECS interagiert. Durch diese immunmodulatorische Wirkung kann sich die Reaktion unseres Körpers auf eine Infektion und der Umgang damit verändern. Dadurch könnte die Wirksamkeit von Antibiotika verringert werden.
Eine 2009 veröffentlichte Studie hat sich mit der Frage beschäftigt, ob Cannabinoide das Immunsystem beeinflussen können. Es zeigte sich, dass Cannabis die Immunantwort des Körpers dämpfen kann, was dazu führt, dass wir weniger stark auf Krankheitserreger wie Bakterien reagieren.
Am Beispiel von Fieber wird dies deutlicher: Fieber ist eine natürliche, körperliche Immunreaktion. Wenn das konsumierte Cannabis nun dazu führt, dass diese Reaktion abgeschwächt wird, kann dies den Heilungsprozess negativ beeinflussen und der Körper benötigt mehr Zeit, um die Krankheitserreger zu bekämpfen. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Cannabis die Immunabwehr in so einem signifikanten Ausmaß schwächt, dass diese Reaktion hervorgerufen wird.
Risiken bei der kombinierten Einnahme von Antibiotika und Cannabis
Eine Gemeinsamkeit von Antibiotika und medizinischem Cannabis ist, wie diese vom Körper abgebaut werden. Sowohl Cannabinoide, als auch Antibiotika (und ca. 90% aller weiteren Medikamente) werden über Leberenzyme der Enzymfamilie CYP450 abgebaut. Wird nun beides gleichzeitig konsumiert, kann das dazu führen, dass die Cannabinoide diese Enzyme blockieren, dadurch das Antibiotikum langsamer abgebaut wird und so die Antibiotika-Konzentration im Blut ansteigt. Durch diese Wechselwirkung können eventuell auftretende Nebenwirkungen verstärkt werden.
CBD als „neues Antibiotikum"?
Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktiv wirkender Bestandteil des medizinischen Cannabis. Durch eine Vielzahl von pharmakologischen und antimikrobiellen Wirkungen dieses Stoffes, ist er in den Fokus der Forschung gerückt. Dänische Wissenschaftler fanden heraus, dass durch die Kombination von CBD und Antibiotika die Wirkung von Letzterem verstärkt werden kann. Hierbei wurde CBD gemeinsam mit einem Antibiotikum gegen grampositive Bakterien eingesetzt. Durch Einsatz des CBDs konnte man die Zellteilung der Bakterienzellen erheblich stören und die Ausbreitung der Bakterien somit eindämmen. Diese ersten Erkenntnisse sind vielversprechend. Bis CBD als wirkliche Alternative angesehen werden kann, ist aber noch viel Forschung und Entwicklung nötig.
Kampf den multiresistenten Keimen – aktuelle Forschung
In den letzten Jahren stieg die Anzahl von Bakterien, die Resistenzen gegenüber Antibiotika gebildet haben, enorm an. Die Forschung hingegen brachte in den vergangenen Jahrzehnten lediglich eine neue Klasse an Antibiotika hervor. Somit wird die Antibiotikatherapie bei vielen Infektionserkrankungen nutzlos und die Gefahr von multiresistenten Keimen steigt an. Gerade in Krankenhäusern sorgt der MRSA-Keim (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) für viele Todesfälle, da dieser mutiert ist und nur noch auf vereinzelte Antibiotika anspricht. Bei Tierversuchen, die von Maya Farha von der McMaster University im kanadischen Hamilton und ihren Kollegen durchgeführt wurden, konnte man dem Cannabinoid CBG (Cannabigerol) die stärkste antibakterielle Wirkung nachweisen. In den Versuchen heilte es MRSA-erkrankte Mäuse genauso erfolgreich wie das Antibiotikum Vancomycin, welches als allerletzte Option gegen diese Infektion genutzt werden kann.
Allein eingesetzt, war CBG also sehr erfolgreich im Kampf gegen grampositive Keime. Kombinierte man es noch mit anderen Medikamenten, war es auch überaus wirksam gegen multiresistente, gramnegative Bakterien.
Die ersten Forschungsergebnisse legen also nahe, dass Stoffe des medizinischen Cannabis, insbesondere CBD und CBG, ein großes antimikrobielles Potential bieten. Es sind jedoch klinische Studien am Menschen nötig, um die Wirkung und Sicherheit von CBD und CBG als Antibiotika Alternative zu bestätigen.
Praxis-Tipps für Patienten
Rücksprache mit einem Arzt/ einer Ärztin
Bist Du bereits Konsument von medizinischem Cannabis und hast jetzt aufgrund einer Infektion ein Antibiotikum verschrieben bekommen? Dann kläre das bitte mit deinem behandelnden Arzt/deiner behandelnden Ärztin ab.
Antibiotika richtig einnehmen
Der Konsum von medizinischem Cannabis kann Infektionssymptome verringern. Wichtig ist jedoch, dass Du die Antibiotika-Therapie nicht eher abbrichst oder verkürzt, da Du sonst die Gefahr von Resistenzen in Kauf nimmst.
Symptome beobachten
Sollten Dir ungewöhnliche Nebenwirkungen wie Schwindel, übermäßige Müdigkeit, Hautverfärbungen auffallen, oder sich Deine Infektionssymptome trotz Antibiotikatherapie verstärken, musst Du unbedingt sofort ärztlichen Rat einholen, da dies auf eine Wechselwirkung mit Deinem medizinischen Cannabis hindeuten kann.
Tabakkonsum vermeiden
Du solltest das medizinische Cannabis nicht mit Tabak kombiniert rauchen, da dieser Dein Immunsystem schwächt und den Heilungsprozess behindern kann, insbesondere bei Atemwegsinfekten. Greife hier besser zu oralen Einnahmeformen wie Ölen oder Kapseln.
GreenMedical: Cannabis auf Rezept online
Über GreenMedical kannst du online prüfen lassen, ob du für eine Cannabis-Therapie in Frage kommst und dir bei Eignung einfach ein Online-Rezept ausstellen lassen.
So ist der Ablauf auf unserer Plattform:
- Medikament wählen: Wähle aus 400 verfügbaren Produkten unserer Partner-Apotheken.
- Fragebogen ausfüllen: In wenigen Minuten – auch mobil und ganz unkompliziert.
- Ärztliche Freigabe: Unser Team prüft deine Angaben – diskret und datensicher.
- Zahlung & Versand: Abholen in der Apotheke oder direkt nach Hause liefern lassen.
Fazit
Der zeitgleiche Konsum von medizinischem Cannabis und Antibiotika ist grundsätzlich möglich, sollte aber immer ärztlich abgestimmt sein. Während Risiken wie eine erhöhte Leberbelastung und stärkere Nebenwirkungen beachtet werden müssen, zeigen erste Studien aber auch ein enormes Potential von den im medizinischen Cannabis enthaltenen Stoffen CBD und CBG als antibakterielle Wirkstoffe.
Die zukünftige Forschung könnte hier neue Ansätze zum Einsatz von medizinischem Cannabis im Kampf gegen multiresistente Keime und Antibiotikaresistenzen entwickeln. Bis dahin gilt aber – Medizinisches Cannabis und Antibiotika gleichzeitig nur in Abstimmung mit medizinischem Fachpersonal einzunehmen.
FAQ: Häufige Fragen zu medizinischem Cannabis und Antibiotika
Kann ich medizinisches Cannabis während einer Antibiotika-Therapie konsumieren?
In den meisten Fällen ja – aber generell nur nach ärztlicher Rücksprache. Mögliche Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden.
Verstärkt medizinisches Cannabis die Nebenwirkungen von Antibiotika?
Es kann sein, dass sich Nebenwirkungen wie Schwindel, Abgeschlagenheit und Magenbeschwerden verstärken.
Kann medizinisches Cannabis Antibiotika ersetzen?
Nein. Auch wenn erste Forschungen auf eine starke antibakterielle Wirkung einiger Cannabinoide hindeuten, kann Cannabis nur unterstützend eingesetzt werden und Antibiotika bei einer bakteriellen Infektion nicht ersetzen.
Hat CBD eine antibakterielle Wirkung?
Erste Studien haben positive Effekte gegen resistente Bakterien erwiesen. Die klinische Relevanz für die Humanmedizin ist allerdings noch nicht bestätigt.
Weiterführende Informationen und Quellen:
https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/krankheitserreger/antibiotika
https://cbd-deal24.de/cannabis/cannabis-wirkung/cannabis-und-antibiotika/
https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/behandlungsmoeglichkeiten/antibiotika/
https://www.bioeg.de/was-wir-tun/schutzimpfungen-und-persoenlicher-infektionsschutz/antibiotika/
Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung; auch stellt er weder eine Empfehlung zum Konsum dar, noch ist mit ihm ein Versprechen einer bestimmten Wirkweise oder Heilungsform verbunden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts wird keine Haftung übernommen.